M.A. Soziologie

Forschungsschwerpunkte

  • Gewaltsoziologie
  • Wissenssoziologie
  • Raumsoziologie

„Das Böse als Miasma. Eine kultursoziologische Perspektive“ (Masterarbeit)

Auszug aus der Fragestellung

„Das ‚Böse‘ – so lautet die These dieser Arbeit – wird über jene Symbolik des Schmutzes wie sie weiter oben angerissen wurde, sozial konstruiert. Diese Konstruktion des Bösen über die Figur des Miasmas, der grenzüberschreitenden, ansteckenden Verunreinigung, nachzuzeichnen, macht sich dieses Projekt zur Aufgabe. ‚Wo es das Böse gibt, gibt es ein System‘, könnte man in Anlehnung an Douglas schlussfolgern. Es geht  nicht darum, moraltheologische oder ontologische Fragen nach dem, was das Böse tatsächlich sei, zu beantworten. Auch soll keine ›Meta-Theorie‹ des Bösen entworfen werden. Vielmehr scheint es ein äußerst vielversprechender Ansatz zu sein, sich einem solch komplexen und in hohem Maße historisch kontingenten Phänomen auf mehreren Ebenen zu nähern. Das methodische Fundament dieser Arbeit durchziehen deshalb zwei Hauptstränge.

Erstens wird eine kulturevolutionistische Perspektive eingenommen, die unter Einbezug (kultur)historischer Quellen die bedeutendsten Umbrüche und Veränderungen im Hinblick auf die Konstruktion des Bösen aufzuzeigen versucht. Die entsprechenden Welt-, Gesellschafts- und Menschenbilder beziehen sich dabei vornehmlich auf christlich-abendländisch geprägte Vorstellungen, ein Umstand, der dem begrenzten Umfang dieser Arbeit geschuldet ist.

Zweitens werden die jeweiligen Vorstellungen vom Bösen theoretisch abstrahiert und mit der Heuristik des Miasmas analysiert. Es gilt, mit einer kultursoziologischen Perspektive nach Übersetzungen der sozialen Konstruktion des Bösen als Verunreinigung zu suchen. Es ergibt sich eine triadische Fragestellung, die an das jeweilige Welt- und/oder Menschenbild angelegt wird: A) Was sind die zentralen Strukturlinien? Wie wird die Vorstellung vom Bösen über die Verunreinigung dieser Prinzipien konstruiert? B) Welche Ursache wird dem Bösen zugedacht? Wie kommt es sozusagen ›in die Welt‹? C) Welches sind die Strategien, wie mit der Verunreinigung umgegangen wird?“

Eine gekürzte und überarbeitete Version meiner Masterarbeit ist im Band Ungefähres. Gewalt, Mythos Moral unter dem Titel „Unreinheit und Ansteckung. Die (Am)Bivalenz des Bösen“ 2014 bei Velbrück Wissenschaft erschienen.